Donnerstag, 8. mai 2008

Es war Mitte der 70er Jahre und ich wurde gerade zwanzig als es mich voll erwischte. Irgendwo ausserhalb von Bern, in einem kleinen Nest wo mehr Kühe als Menschen lebten, hatte ich endlich meine erste Freundin mit der ich ins Bett ging.Für  beide war es das erste mal und wir stellten uns sehr linkisch an. Jedenfalls wars nicht so wie man es sich immer vorgestellt hatte. Egal, Hauptsache man war jetzt erwachsen, mit der Zeit lief es eh immer besser. 

Dies war eine komische Zeit für mich. Voll in einer Ausbildung die ich nicht wollte, stand ich dauernd am Rande einer Depression. Ich wäre gerne weiterhin zur Schule gegangen, hätte gerne das 12. Schuljahr gemacht, das Abitur und dann etwas mit Kunst oder Philosophie studiert. Doch zu Hause hiess es immer nur: Studieren ist für Reiche und Faule, unsere Familie arbeitet! Was blieb mir da anderes übrig als die 2 Jahre in einem Büro abzusitzen, Buchhaltung zu lernen, Briefe zu tippen, Dokumente abzulegen und jede halbe Stunde auf die Uhr zu schauen ob schon bald Feierabend ist?

Kaum war ich mit der Ausbildung fertig zog ich nach Bern, fand eine billige Einzimmerwohnung nah an den Gleisen des Güterbahnhofs, verlobte mich mit meiner ersten grossen Liebe und fand die Welt in Ordnung. Denn mittlerweile war es für mich der Normalzustand von Montag bis Freitag in einem Büro zu sitzen, irgendwelche Arbeiten zu erledigen und gequält auf den Freitag zu warten.

Tja und dann passierte es. Meine Verlobte war schon einige Zeit in der italienischen Schweiz in einem Praktikum, als sie sich dort in einen Einheimischen verliebte. Für mich brach eine Welt zusammen, wollte nicht mehr leben und zog mich vom Leben zurück. Wie konnte ich die Frau zurückgewinnen, welche mittlerweile wieder in Bern lebte?

Da hatte ich eine Idee. Für eine Menge Geld kaufte ich Klebebuchstaben und Trauerkarten. Ich sass stundenlang davor und produzierte eine Einladung zur Trauerfeier meiner eigenen Beerdigung, versah diese mit der Anschrift meiner Ex Verlobten und ab auf die Post gings damit. Ich packte meine Kamera und den Pass in eine Plastiktüte und machte Autostop Richtung Lausanne. Ich wollte nicht zu erreichen sein, wenn meine Ex diese selbstgebastelte Einladung bekam, erhoffte mir dadurch eine geballte Wirkung.

Damals gabs noch keine Autobahn nach Lausanne und ich musste nicht lange warten bis ein Merzedes anhielt in dessen inneren 4 hübsche Studentinnen aus München sassen und auf dessen Anhänger ein Segelboot vertäut war. Wir verstanden uns prächtig und bald merkte ich, wie die blonde Christina neben mir Interesse an mir bekam. Dauernd beobachtete sie mich und wenn wir anhielten war sie immer in meiner Nähe. Bald war meine Ex vergessen und der Besuch bei einer Freundin in Lausanne, um in ihrer Einrichtung vielleicht ein soziales Praktikum zu machen erst recht. Junge, schlug mein Herz wenn mich Christina ansprach. Nicht mal die Ex brachte es so ins rasen.

Als sie mich kurz vor Lausanne fragten wo ich hin muss fragte ich zurück wo es den hinginge. Christina sagte mir, dass sie nach Marseille segeln fuhren, da sei eine Regatta wo sie teilnehmen möchten. Ich meinte dann, mir sei es eigentlich egal wohin, und Marseille würde ich noch nicht kennen. So wurde aus einem zweitägigen Besuch in Lausanne ein zweiwöchiger Ferientrip nach Marseille ohne Geld, nur mit der Kamera in der Plastiktüte.

Die Fahrt nach Marseille war kurzweilig vor allem wegen Christina, diese schmiegte sich immer mehr an mich, liess mich ihre spitzen, harten Brüste fühlen. Die Dauererrektion verursachte solche Schmerzen, dass ich kaum mehr gehen konnte als wir auf dem Campingplatz ankamen. Es war selbstverständlich, dass ich bei Christina im Schlafsack mitschlafen durfte. Denn es war erst Ende März und es war immer noch sehr kühl am Mittelmeer. 

Und in diesem Schlafsack erlebte ich Himmel und Hölle. Bisher kannte ich nur die Missionarsstellung, mehr nicht. Was Christina da Nacht für Nacht mit mir anstellte war einfach unglaublich, lies mich meine Ex Verlobte, den Liebeskummer, dass ich eigentlich arbeiten sollte, einfach vergessen.

Es war ein Tag vor der Rückfahrt, als es mir in den Sinn kam eine Ansichtskarte nach Hause zu schicken um meine Familie zu informieren wo ich war. Dachte kaum mehr an die miese Aktion der Einladung zu meiner eigenen Beerdigung an die Ex Verlobte, geschweige denn was dies alles ins Rollen brachte. Auf jeden Fall war ich um einige Tage früher wieder in Bern als die Ansichtskarte bei meiner Familie. Was mich dabei einwenig beunruhigte war eine Vermisstmeldung welche im Autoradio zwischen Murten und Bern ausgestrahlt wurde. Denn es wurde einer gesucht welcher genau den gleichen Namen wie ich hatte, auf die Idee, dass wirklich ich damit gemeint war, wollte ich nicht kommen.

Die zwei Wochen im Schlafsack bei Christina waren die beste Therapie für mich. Voller Elan, Lebensfreude und Selbstbewusstsein verabschiedete ich mich von Christina und ihren Freundinnen und wollte in meine kleine, enge Einzimmerwohnung hinter dem Güterbahnhof.

Ich wollte... da stand ich vor einer Wohnungstüre welche polizeilich versiegelt und  zwischenzeitlich das Schloss ausgewechselt wurde. An der Türe klebte ein Zettel, dass ich mich bei der Polizei, bzw. bei der Hausverwaltung zu melden hätte, sollte ich zurückkehren. Ich tat keines von beiden sondern fuhr aufs Land zu meiner Familie.

Als erstes erwischte mich da eine gewalltige Ohrfeige! Als man sich langsam beruhigt hatte bekam ich die Einzelheiten mit, welche mich zwischenzeitlich zum lachen brachten.

Als am Tag meiner Beerdigung meine Ex Verlobte im Trauerkleid und weissen Rosen einsam um die angegebene Zeit vor der Kirche auf meine Trauerfeier wartete und sich nichts tat, wurde sie aktiv, zu aktiv. Sie telefonierte meine gesamte Verwandtschaft zusammen, am Ende hiess es, dass ich mich sehr wahrscheinlich umgebracht hätte und ich wurde als Vermisst ausgeschrieben. Mich kümmerte dies indes nicht gross, war immer noch  berauscht von den Besuchen in Christinas Schlafsack.

Ich hatte nun ein anderes Problem, meine Ex Verlobte welche ich mittlerweile als langweilig empfand wollte mit aller Gewalt zu mir zurück. So schnell es ging fing ich mit meinem sozialen Praktikum in der Nähe von Lausanne an und meine Ex und ich vergassen uns langsam. Christina und ich vergassen uns jahrelang nicht, immer wieder besuchte der eine den anderen und die Zeit im Schlafsack auf einem der Campingplätze vor Marseille schien sich zu wiederholen.

von Willi Tell veröffentlicht in: Erinnerungen Community: Biographisches und anderes
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Donnerstag, 8. mai 2008

Vor 23 Jahren wurde ich in einem Armenviertel "Tumacos" geboren. Wir leben ein wenig besser, als die Menschen, die nur einige Meter weiter ihre Häuser auf Pfählen ins Meer bauten. Bis heute haben wir jedoch kein fließend Wasser und kein Klo. Das Wasser ist viel zu teuer, so graben wir uns im Viertel abwechselnd vor den Häusern etwa 2 Meter tiefe Löcher, um so an die Wasserleitungen der Stadt zu kommen. Natürlich weiß dies die "Wasserversorgung" der Stadt, die trauen sich jedoch nicht ins Viertel rein, die könnten eh nichts machen, die Leitungen sind nun mal verlegt.

 

Das Löcher graben und Wasser schleppen ist hauptsächlich Sache der Kinder und Jugendlichen. Bis z.B. bei uns zu Hause das Petroleumfass, hinterm Haus voll ist, vergehen einige Stunden und meist muss es täglich zweimal aufgefüllt werden. Sich duschen, abwaschen, das Saubermachen und kochen für mindestens 6 Personen täglich braucht trotz aller Sparsamkeit sehr viel Wasser. So ist also dieses Petroleumfass unsere Wasserreserve und gleichzeitig Dusche, indem wir uns daneben stellen  und aus einem Plastikeimer Wasser über uns schütten.

 

Strom haben wir im Viertel seit langer Zeit, doch es vergeht kaum ein Tag wo es nicht im ganzen Viertel über Stunden einfach gesperrt wird, wir haben uns daran gewöhnt, dass wir abends zwischen ca. 20 Uhr und 22 Uhr nie Strom haben. Muss die Stadt Strom sparen, dann macht sie dies auf unsere Kosten und schaltet einfach die Leitungen ab, während in den Fabriken der Reichen und Ausländer und ihren Wohnvierteln die Energie verschwendet wird. Dies war immer so und nicht erst seit der landesweiten Rationalisierung der Energie.

 

In der hintersten Ecke unseres kleinen Grundstückes haben wir uns eine tiefe, große Grube gebaut die als Klo dient und alle paar Jahre ausgepumpt wird. Damit man ein wenig Sichtschutz hat, haben wir sie mit Wellblech eingefasst und gegen den Geruch ist ein schwerer Blechdeckel zum Abdecken auf dem Loch. Unangenehm ist es nur wenn es stark regnet, denn da ist unser Grundstück, welches wie der größte Teil unserer Vierteln auf Meersand ist, ein einziger Matsch.

 

In den letzten 10 Jahren haben wir nach und nach alle Holzaußenwände des Hauses durch Beton oder Ziegelsteine ersetzt, so dass wir jetzt ein recht angenehmes Zuhause haben. Als nächstes bauen wir uns ein richtiges Klo, die Grube dazu haben wir bereits ausbetoniert.

 

Wie die meisten Männer hat auch unser Vater sehr viel getrunken und sich zuerst mal Alkohol gekauft und erst danach was zum essen für uns. Als er sich zu Tode gesoffen hatte, ging unsere Mutter nach Cali Arbeit suchen. In Tumaco gibt es viel zu wenig Arbeit, und wenn, dann ist sie schlecht bezahlt.

 

Da die Mutter nicht wusste wie und wo sie Arbeit finden würde in dieser Großstadt, ließ sie uns Kinder in Tumaco zurück, unsere Tanten haben uns hauptsächlich erzogen. Die Mutter konnte uns nicht nach Cali nachkommen lassen, weil sie mit ihrer kranken und alten Mutter mehr als genug zu tun hatte und ihr Einkommen nicht auch noch dafür ausreichte uns Kinder durchzufüttern und die Schule zu bezahlen.

 

Cali ist zwar eine Industriestadt, doch die Hoffnungen unserer Mutter erfüllten sich nicht in dem Maße wie sie es sich erträumte. Sicher, sie hat nun ihr geregeltes Einkommen, ihren festen Arbeitsplatz, doch statt in den Slums in Tumaco, lebt sie nun in den Slums von Cali, und die sind nicht viel anders, in Cali hat man es jedoch leichter um Arbeit zu finden.

 

In "Tumaco" ist alles ein bisschen schwieriger, so dass ich nur eine sehr minimale Schulbildung hatte und schon sehr früh mitarbeiten musste. Zum Glück ist eine meiner Tanten Lehrerin und ich konnte nebenbei viel lernen wenn meine Tante Zeit hatte.

 

Ich arbeitete den ganzen Tag wie eine Verrückte in einer Fischfabrik. Ich putzte, schälte, verpackte das Zeugs, das hauptsächlich exportiert wurde. Verrückt, da stehe ich mit Hunger im Bauch an meinem Arbeitsplatz und verpacke Meeresfrüchte, Thunfisch etc. für das Ausland. Wie meist üblich in Tumaco, ist der Besitzer dieser Fabrik ein "gringo" der irgendwo in den Staaten lebt, der sich durch unsere Plackerei eine goldene Nase verdient und sein Oberaufseher ist natürlich auch ein Weißer, ein ganz schlimmer, der machte mit uns Mädchen und Frauen was er wollte, wir waren für ihn der letzte Dreck.

 

Die Arbeitsbedingungen waren sehr schlimm, doch was willst Du machen, wenn vor der Türe Hunderte auf Deinen Arbeitslatz warten und den du mit Sicherheit verlierst, wenn du nurs Maul aufmachst? Wir arbeiteten Täglich von 6 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags 10 Stunden ohne Pause, ohne essen und verdienten je nach Akkordleistung wöchentlich höchsten um die 7000.- col$ bis 10 000.- col$! Ein Gehalt, womit Du unmöglich leben kannst, doch wir arbeiten dafür, denn lieber schlecht bezahlte Arbeit als nur herumsitzen und nichts zu tun haben. Dieses "keine Arbeit" haben ist schlimm, ist schlimmer als schlecht bezahlte Arbeit haben, denn dies macht Dich im Laufe der Jahre aggressiv und deprimiert. Aus diesem Grunde wird so viel gesoffen und Rauschgift konsumiert. Viele der Frauen und Mädchen die unter solchen schlechten Bedingungen arbeiten müssen, gehen nebenbei der Prostitution nach, damit ihre Familien überleben können und natürlich macht auch dies aggressiv und die Scham darüber wird mit Alkohol und Basuco verdeckt.

 

Als ich vor 3 Jahren schwanger wurde, stellte sich heraus, dass der Mann in den ich verliebt war nur mit mir gespielt hatte, wohl weil ich noch so jung war. Er war bereits verheiratet und hatte Kinder. Ich war wohl nicht das erste und letzte junge Mädchen, welches dieser Tankstellenbesitzer hinterging.

 

Um dieses bittere Erlebnis besser überwinden zu können und weil es für mich klar war, dass mich in "Tumaco" nur eine schwierige Zukunft mit noch mehr Hunger erwarten würde, wenn mein Kind erst mal geboren war, ging ich zu meiner Mutter nach Cali, die mit ihrem neuen Lebensgefährten im "Distrito Aguablanca" lebt und erhoffte mir, da bessere Bedingungen vorzufinden.

 

Die Zeit wurde recht hart, ich bekam Zwillinge und lebte mit meiner Mutter, meiner jüngeren Schwester und zwei älteren Brüdern von dem kleinen Gehalt was die Mutter nach Hause brachte und was wir anderen Familienmitglieder so ab und zu dazu verdienen konnten. Der Lebensgefährte meiner Mutter arbeitet nichts, führt sich auf, als wäre er der große Herr. Meine Mutter gibt ihm immer Geld und auch von uns versucht er immer etwas zu bekommen. Der hat sich sogar erlaubt, mal an meinem  Arbeitsplatz vorbeizugehen und zu fragen ob sie mir das Gehalt schon ausgezahlt haben.

 

Ich fand Arbeit als "Arztgehilfin" in einem Projekt eines deutschen Padres ebenfalls im "Distrito". Doch von den ärmlichen 40 000.- col$ monatlich, die ich dort als "Angelernte" bei 5 Tagen Arbeit die Woche verdiene, kann man auch keine großen Sprünge machen, d.h., eigentlich kann ich davon gar nicht leben. Während ich über Weihnachten, erstmals wieder nach drei Jahren, meine restliche Familie in Tumaco besuchen ging, hat der Padre mich und sieben andere Mädchen entlassen. Nun suche ich eine Arbeit, die besser bezahlt ist und wo ich genügend Zeit für die Schule habe, ich möchte auch gerne wieder meine beiden Söhne bei mir haben.

 

Da ich abends nach der Arbeit das "Bachillerato" nachmache, musste ich bereits vor längerer Zeit einen meiner Söhne zurück zu meinen Tanten nach Tumaco geben und nun ist seit Weihnachten auch mein zweiter Sohn dort. Ich schaffe es einfach nicht, morgens um 5 Uhr aufzustehen, alles für die Kinder zu richten, diese in den Hort zu bringen, dann bis 6 Uhr abends arbeiten und danach ohne Pause gleich in die Schule bis 9.30 Uhr abends. Ich hatte nicht selten einen 16 Std. Tag und habe dies einfach nicht mehr durchhalten können.

 

Mein "Bachillerato" ist mir jedoch sehr wichtig, ich will etwas ordentliches studieren, ich bin ja erst 23 Jahre alt. Was ich studieren möchte weiß ich noch nicht genau, etwas, wo ich den Menschen helfen kann, etwas Soziales. Doch ob dies klappt steht noch nicht fest, denn die Universität kostet gemessen an unseren Lebensbedingungen, viel zu viel Geld und ich weiß nicht, ob meine Familie hier in Cali und in Tumaco dies wird finanzieren können.

 

Ich möchte nie so leben müssen wie einige meiner Freundinnen. "Vicky" z.B. lebt nun im Zentrum an der Cra. 10, da, wo gleich die "olla" anfängt. Sie hatte Glück und kann umsonst in der Wohnung eines älteren Herrn leben, sie muss dann einfach ab und zu mit ihm schlafen und hat ansonsten ihren Freiraum. Früher war sie jahrelang bei irgendeiner älteren Frau Dienstmädchen und die hat sie behandelt wie der letzte Dreck, hat einfach ihre schlechte Laune an "Vicky" ausgelebt. Kam sie mal unverschuldet zu spät, wurde sie klein gemacht und musste ohne Bezahlung wieder gehen. Ein Tag ohne bezahlte Arbeit bedeutet bei diesen Hungerlöhnen ein Tag ohne was zu essen. Als die Alte sie dann des Diebstahls bezichtigte, weil sie in ihrem Durcheinander etwas nicht finden konnte, hatte meine Freundin genug und ging. Nun schlägt sie sich mit Gelegenheitsarbeiten rum wie nähen, Pedicure etc. und am Wochenende ist sie als Tänzerin bei einem "Salsa-Orchester" engagiert. "Vicky" ist eine sehr schöne Frau und so hat sie keine Mühe, dass Männer sie abends zum Essen oder in die Diskothek ausführen. Doch da auch sie "schwarz" ist, ist sie für die "weißen" Männer vorwiegend nur Lustobjekt.

 

Viele von uns Armen verlassen, außer zur Arbeit, fast nie den  "Distrito" und das Zentrum der Stadt ist für uns etwas Fremdes, weit entferntes. Mit unseren Gehältern könnten wir niemals in den Geschäften des Zentrums etwas zum anziehen kaufen, oder uns in ein Lokal setzen um eine Cola zu trinken, ein Eis essen gehen wovon zwei Kugeln bereits 1 000.- col$ kosten. Im Zentrum, da ist alles so ganz anders, da gibt es so viel Luxus, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass bei und draußen so viel Armut und Elend herrscht.

 

Doch ich fühle mich wohler und freier bei uns draußen, ein Großteil der Leute im Zentrum, elegant angezogen, und die uns verachtend angucken erinnern mich an ein Lied von Ruben Blades, es heißt "Plastico", ich singe es Dir "mono":

 

Ella era una chica plastica / De esas que veo por ahi,

De esas que cuando se agitan / Sudan Chanel "number three".

Que sueña casarse con un doctor / Pues el puede mantenerlas mejor.

No le hablan an nadie si no es su igual, / A menos que sea fulano de tal.

Son lindas, delgadas, de buen vestir, / De mirada esquiva y falso reir.

 

El era un muchacho plastico / De esos que veo por ahi,

Con la peinilla en la mano / Y cara de yo no fui.

De los que por tema en conversacion / Discuten que marca de carro es mejor.

De los pue prefieren el no comer / Por las apariencias que hay aue tener

Pa andar elegantes y asi poder... / Una chica plastica recoger. !Que fallo!

 

Era una pareja plastica / De esas que veo por ahi.

El pensando solo en dinero, / Ella en la moda en Paris.

Aparentando lo que no son, / Viviendo en un mundo de pura ilusion.

 

© Willi Tell

von Willi Tell veröffentlicht in: Texte Community: Sprechen durch Schreiben
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Donnerstag, 8. mai 2008

 

Nacht, eine quälende Nacht wo die Minuten, Sekunden, gehemmt durch erschreckende Gedanken und Erinnerungen an Blut, Gewalt, Elend und Tod Richtung Morgengrauen kriechen. Ob diese Tropfmaschine der Zeitmessung weiterhin so ruhig und zielgerichtet das Gegenwärtige in Vergangenes und somit unwichtiges zerstampfen könnte, hätte sie Gefühle, könnte sie sehen? Gott sei Dank rast dieses Ungetüm der Zeitmessung unaufhörlich brutal die schönsten Augenblicke zerstörend, gnädig das elend vergangen werdend und Hoffnung spendend auf das Morgen, ihrem unendlich weit entfernten Ziele zu, welches sie doch nie erreichen wird. 

 
Zu Tausenden leben sie diese Hoffnung des unerreichbaren Morgen, in den Slums, in den Schlafhöhlen am Fluss, in irgendwelchen Nischen der "olla". Hoffend im "Basuco" Rausch die Nacht zu überleben, am Morgen endlich Arbeit zu finden, den vor Hunger schmerzenden Magen sättigen zu können, die Kinder - statt mit "Basuco" zu betäuben - damit sie den nagenden Hunger nicht spüren - mit ein wenig Reis, "papas" oder "jucas" zu füttern.

 

Doch die Zeit rast weiter, läßt jede Nacht hingerichtete "desechables", "Basucoraucher", Schwule, Huren, Jugendliche und andere Subversive, vergewaltigte Mädchen, verhungernde Kinder, aus Scham sich zu tode saufende Väter, durch erlebtes an der Grenze zur Verrücktheit stehende Mütter hinter sich, die Tausende von Nächten, in Angst und Schrecken und immer weniger Hoffnung auf ein neues, ein anderes, DAS MORGEN hoffen.


Cali, 28 de agosto de 1994

 

 

© Wili Tell

von Willi Tell veröffentlicht in: Texte Community: Biographisches und anderes
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Profil

  • : Wili Tell
  • medea
  • : männlich
  • : 29.03.1956
  • : Eldorado - Schweiz
  • : Habe gelebt - intensiv - und habe vor dies weiter zu tun.

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