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6. Mai 2008 2 06 /05 /Mai /2008 12:37

Also um es kurz zu machen, an diesem Abend sollte meine Mutter meinen Vater besser kennen lernen. Sie kannten sich schon seit ewig, wie sich das ganze Fischernest seit ewig kennt. Sie wusste, dass er eine Tankstelle besitzt und seit Jahren sah sie ihn dort Benzin verkaufen wenn sie mit ihrem Onkel vor dem Fischen den Zweitakter des Kanus soweit volltankte, dass es gerade für die Fahrt reichte.

Es war ein hübscher Kerl, dunkel wie sie und feinen, beinahe zierlichen Gesichtszügen. Man wusste nicht genau, war er nun verheiratet oder nicht. Es gab Leute die munkelten, dass er es war. Er selber betonte immer vehement, dass er ledig sei, auf der Suche nach einer, die zu ihm passe. Meine Mutter glaubte ihm dies, denn würde er sonst Woche für Woche alleine in die Diskothek kommen? Da er Besitzer der einzigen Tankstelle im Fischerdorf war, war er begehrt weil begütert. Er konnte ohne Probleme die heißesten Bräute abschleppen was er in vollen Zügen auch tat. Alle hatten Hoffnung mit ihm das große Los zu ziehen. Alle bis auf meine Mutter. Sie machte sich nicht einmal Gedanken über ihn, begnügte sich ihn anzuschauen. Denn so ein Kerl würde sich nie und nimmer mit einer wie ihr einlassen. Einer ohne Ausbildung, ohne richtiges Haus, ohne Wohlstand.

Doch meine Mutter irrte sich und hatte Recht!

Auf einmal stand er da in all seiner Pracht. Sein vertrauenserweckendes lächeln, der Glanz seiner dunklen Augen schien nur für sie zu sein. Höflich bat er sie zu einem tanz, noch einem und noch vielen zwischen den endlosen Colas mit immer mehr "libre" und weniger Cola. Irgendwann an diesem Abend muss er ihr gesagt haben, dass er schon lange auf sie Aufmerksam geworden sei, dass sie schön sei, dass er von ihr träume. Cola, Worte und Sehnsucht meiner Mutter taten dass ihre und Mama verschwand zum ersten mal mit einem Mann wie üblich in in diesem Fischernest in einer Absteige. Weder sie noch ich wissen genau, ob dies meine Nacht war, denn es waren einige Nächte mehr, die sie mit Hoffnung auf ein besseres leben und schlussendlich mit mir füllten.

Wie allgemein üblich in solchen Situationen kam es nach relativ kurzer Zeit des Glücks zu einer Ausprache und der Tankstellenbesitzer verliess fluchtartig Mutter und mich. Er war tatsächlich verheiratet der vertrauenserweckende Kerl mit seiner Tankstelle und Mutter sah ihn nur noch von weitem oder vom Kanu aus beim tanken.

Voller Scham sass meine Mutter in solchen Augenblicken fast unsichtbar im Kanu, wagte nicht den Kopf zu heben um ihren Tankstellenbesitzer anzusehen. Manchmal gelang es ihr ihn aus den Augenwinkeln zu erhaschen und beim Anblick dieses lächelns und dieser Augen erkannte sie, dass es nicht mehr ihr lächeln und nicht mehr ihr Augenglanz war, er nahm sie in keiner Weise mehr war. Herzschmerz und Sehnsucht nach vergangenen Tagen erweckten jedesmal beim auftanken des Zweitakters einen hässlichen Schmerz in Mutters Seele. Doch noch wagte sie nicht zu Hause zu erzählen, dass sie geschwängert wurde und sie fürchtete sich vor dem Tag wo es sichtbar werden würde.

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Über Diesen Blog

  • : Biographisches und andere Geschichten
  • : Es geht um das Leben einer Mutter aus den Slums. Erlebtes in Südamerika und hier. Um Gedanken und Gefühle. Um Wut und Liebe - kurz - es geht um das Leben.
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  • Wili Tell
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