Schnell wurde der Bauch meiner Mutter beängstigend grösser, bis sie es nicht mehr verheimlichen konnte. Irgendwann sprach die Tante
sie darauf an und es gab ein gewaltiges Donnerwetter. Kurz Mutter wurde mit Schimpf und Schande aus dem Haus geworfen. Es gab nur einen Ort wo sie hin konnte, in die Stadt zu ihrer Mutter, welche
sie vor 18 Jahren bei der Tante zurückließ. Natürlich hatte sie Angst, war gleichzeitig froh um auf andere Gedanken zu kommen, den Tankstellenbesitzer nicht mehr sehen zu müssen und natürlich
auch um ihre anderen Geschwister endlich besser kennen zu lernen. Sie kannte die Stadt bisher nur durch kurze Besuche und hat sich noch nie Gedanken darüber gemacht wie es sein würde dort zu
leben. Dort in der Stadt wo ihresgleichen vor allem in einem der grössten Slums Südamerikas lebten, welches die grösste Siedlung dunkelhäutiger Menschen ausserhalb Afrikas sein soll.
Doch solche Gedanken machte sich meine Mutter nicht, noch nicht. Sie fühlte sich verloren, beobachtet. Während in ihrer Heimatstadt Weisse nur ab und zu anzutreffen waren, hier waren sie überall.
Überall wo es Arbeit gab waren zuerst einmal die Weissen. Wie Kletten hingen sie an den gut bezahlten und sicheren Arbeitsplätzen und nur wenige Schwarze schaften den Sprung aus den
üblichen Jobs wie Dienstmädchen, Putzfrau, Bauarbeiter, usw. in ein Büro oder sogar auf die Universität.
Die erste Zeit bei meiner Grossmutter wartete meine Mutter vor allem darauf, dass ich endlich geboren werde. Der Schreck war gross, als ausser mir noch mein Bruder 2 Minuten später hinterher kam.
Meine Mutter verlor viel Blut, man hatte Angst, dass sie stirbt. Jahre später erzählte sie mir, dass sie im Krankenbett alles gehört und gesehen hat aber unfähig zu einer Bewegung war, nicht mal
die Augenlieder konnte sie bewegen. Sie hatte Angst, dass man sie lebend begraben würde. Soweit kam es jedoch nicht und bald fing für Mutter der Alltag an.
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