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1. Juli 2008 2 01 /07 /Juli /2008 22:25

Es war ein dramatisches und grossartiges Jahr  dieses Jahr Neunzehnhundertsechsundfünfzig. Der Film "Denn sie wissen nicht was sie tun" mit James Dean wurde erstmals in München im Kino gezeigt,  man sah die ersten ausländischen Arbeitskräfte auf unseren Strassen argwöhnisch an und die deutsche Lotterie führte die Zusatzzahl ein. Die DDR gründete ihre Nationale Volksarmee, in Ungarn begann der Volksaufstand was kurz darauf russische Panzer ins Land trieb und Hitler wurde endlich amtlich als tot erklärt. Fidel Castro landete in Kuba um seine Heimat zu befreien, während Borussia Dortmund  bestrebt war zum ersten mal deutscher Meister zu werden und wohl das wichtigste Ereignis dieses Jahres 1956, - ich wurde geboren! -. Ich, der rettende Stern von Vater und Mutter. Beide brauchten ausgerechnet mich um endlich aus dem verhassten Elternhaus ausbrechen zu können.

Es war wohl gegen Ende Juni des Vorjahres als den beiden die Idee kam heimlich gemeinsam in der Umgebung von Bern an der Aare wild zelten zu gehen. Es muss wild hin und her gegangen sein an diesem Wochenende, denn nie sprachen sie darüber wenn ich in späteren Jahren danach fragte, doch beide grinsten zwischen verschämt und unverschämt, wechselten das Thema. Mutter nahm das Geheimnis dieser Nächte mit ins Grab und Vater wird dies wohl auch tun.

Wo und wie haben sich die beiden, gegensätzlicher könnten sie nicht sein, kennengelernt? Was faszinierte sie aneinander? 

Vater, intelligent und besten Aussichten, beschloss irgendwann mal das Gymnasium abzubrechen um zu leben. Da half es nichts, mit mehr als gutchristlichen Werten durch die "Neuapostolische Kirche" aufgewachsen zu sein. Vielleicht gerade deswegen wollte er ausbrechen und zurechtbiegen was vorher durch christlichen Übereifer verbogen wurde. Nun ja, im Gegensatz zu mir ging ihm dies voll in die Hosen. Wie sollte er auch. Aufgewachsen ohne Vater, mit Bruder, Mutter, Cousin und dessen Eltern im gleichen Einfamilienhaus, hatte er Null Ahnung was es heisst eine Familie, Vater zu sein. Von seinem Vater hörte er lediglich, dass er nichts tauge, ein Lebemann, ein Weiberheld sei. Also tat er es ihm gleich, schien ihn zu übertrumpfen und daran änderte sich auch nichts, als er heiratete, Vater wurde. Es änderte sich auch nichts als wenige Jahre später der zweite Sohn und wieder wenige Jahre später der dritte Sohn dazu kamen. Er soff lustig weiter, hatte seine Weibergeschichten, spielte Schlagzeug, lebte sein Leben meist ohne Familie. Nun ist er einsam, seine Heimat ist die Kneipe an der Ecke.

Mutter war da ganz anders. Sie war froh konnte sie überhaupt die obligatorische Schulzeit machen. Wo sie aufwuchs kümmerte man sich nicht besonders um sie. Wir Kinder wissen nicht ob sie nun tatsächlich  Zigeunerin und Findelkind ist oder nicht. Darüber wurde in unserer verlogenen neuapostolischen und kleinbürgerlichen Familie nie gesprochen. Jedoch wurden wir Kinder bei Konflikten immer wieder als "Scheisszigeuner"  beleidigt. Schön ist sie gewesen unsere Mutter, so schön, dass sie für einen James Bond Film als Statistin ausgewählt wurde . Sie verlangte nicht viel vom Leben, versuchte dieses jedoch in vollen Zügen zu leben.  Ansonsten begnügte sie sich als Eisenwarenverkäuferin und Mutter, driftete dabei immer mehr in ein Aschenputteldasein. Ihre grosse Sehnsucht nach Familienharmonie erfüllte sich nie. Sie trieb von Hoffnung zu Hoffnung um am Ende immer wieder zu erkennen, dass sie vom Lebensgefährten nur gebraucht und misshandelt wurde. Leider gab sie sich auf. Fortan war ihre einzige Liebe der Rotwein. Diese Liebe machte sie immer einsamer, krank  und brachte sie schliesslich vor einigen Jahren ins Grab.

Was war es, was diese beiden Menschen aneinanderband? Ich begnüge mich damit, dass sie sich gegenseitig faszinierten. Bis zum Tode meiner Mutter suchten sie sich immer wieder, verstanden sich immer besser, bis sie schliesslich Freunde wurden.

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Kommentare

Free SMS 11/05/2009 20:55


hey klasse artikel.. :) Weiter so..

mfg alex


Über Diesen Blog

  • : Biographisches und andere Geschichten
  • : Es geht um das Leben einer Mutter aus den Slums. Erlebtes in Südamerika und hier. Um Gedanken und Gefühle. Um Wut und Liebe - kurz - es geht um das Leben.
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  • Wili Tell
  • Habe gelebt - intensiv - und habe vor dies weiter zu tun.

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