Mittwoch, 7. mai 2008
 Es war irgendwann mal  im Oktober 1989 als die ganze Sache mit mir anfing. Wenn es stimmt, dass auf der anderen Seite der Erde das Wetter entgegengesetzt ist, dann war dort Beginn des Sommers. Dies bedeutet in meinem kleinen Fischernest mitten in den Mangroven endlich ein bisschen weniger Luftfeuchtigkeit und einwenig mehr Geld durch Touristen die weniger arm als wir waren.

Meine Mutter arbeitete zu dieser Zeit in einer der zahllosen Fischfabriken, deren Besitzer ein "gringo" war. Ein typischer 3. Welt Job, viel Arbeit, kaum Geld, du schaffst an für die Konten der reichen Ausländer und korrupten Politiker deines Landes. Man stelle sich vor, Du bearbeitest Lebensmittel und hast vor Hunger Magenkrämpfe. Die Vorarbeiter passen nur auf, dass ja nichts vom Fisch gestohlen werden konnte. Selbst bei einem Fischkopf gab es Probleme was meist bedeutete, dass du fristlos entlassen wurdest. Eben gerade dieser Vorarbeiter in der Fabrik war scharf auf meine Mutter und er versuchte alles um sie flachzulegen. Da es nicht klappte behandelte er sie wie Dreck. Meine Mutter war damals eine echt schöne Frau. Groß gewachsen, schlank, straffe Brüste, knackiger Po und einer samt glänzenden Hautfarbe wie dunkle Schokolade, eben so richtig zum reinbeissen. Noch Heute mit 40 sticht sie viele jüngere Mädels aus mit ihrem aussehen.

Eben an einem dieser Oktobertage, ich nehme an es war ein Samstagabend oder Sonntag Nachmittag, ging Mutter wie öfters an die Promenade am Meer in eine der vielen Diskotheken um fröhlich zu sein, zu lachen zu tanzen und die Unwürde der Armut, den Hunger, den Alltags zu vergessen.  Die Gute ahnte nicht, dass dieser Abend der Beginn einiger der härtesten Jahre ihres Lebens werden würde.

Ich nehme an, sie sass dort mit Freunden vor einer Flasche Rum und Cola, mit Freunden die wie sie in einer Bretterbude lebten und nach und nach Mauern aus Ziegelsteinen hochzogen, in der Hoffnung, möglichst bald ein bescheidenes Haus zu haben mit Klo statt einem Loch im Garten, mit fließend Wasser statt einiger alten, rostigen Tonnen die, falls es Wasser gab, alle par Tage mit Wasser gefüllt wurden. Sicher hat sie viel getanzt, diesen alten "Salsa brava" der in der Gosse entstand, mit seinen Texten die aus ihrem Herzen kamen als wären es ihre und ihrer Freunde Worte.
von medea veröffentlicht in: Biographie Community: Sprechen durch Schreiben
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  • : Habe gelebt - intensiv - und habe vor dies weiter zu tun.

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